Rockstar-Erbe in der Krise: Lightspeed LA entlässt 80 Mitarbeiter und krempelt Last Sentinel um
Es sollte der große Wurf werden: Ein neues, waschechtes Triple-A-Open-World-Spiel aus der Feder von Steve C. Martin, der einst maßgeblich an GTA V und Red Dead Redemption mitgewirkt hat. Doch aus dem Last-Sentinel-Traum wird gerade ein Weckruf. Lightspeed LA, das von Tencents Lightspeed Studios finanzierte Entwicklerstudio in Irvine, Kalifornien, hat angekündigt, seine kreative und technische Ausrichtung für das Projekt grundlegend zu ändern. Die Folge: Rund 80 Mitarbeitende verlieren ihren Job. Wie das Studio mitteilte, sei die Entscheidung nach ausführlichen internen Prüfungen und Playtests gefallen – <cite index="15-7">nach umfangreichen internen Reviews und Playtests habe sich das Tencent-eigene Entwicklungsstudio entschieden, die kreative und technische Richtung seines Triple-A-Titels zu ändern, um das von den Spielern erwartete Erlebnis zu liefern.</cite>
Last Sentinel war ursprünglich bei den Game Awards 2023 mit großem Trara vorgestellt worden: ein dystopisches Open-World-Actionspiel im futuristischen Tokio, das die Freiheitskämpferin Hiromi Shoda in den Mittelpunkt stellt und mit Ex-Entwicklern von The Last of Us, Uncharted, Jedi: Fallen Order und God of War aufwarten sollte. Das Team hatte hohe Ambitionen – Lightspeed Studios positioniert sich generell als Studio-Sammelbecken für erfahrene Branchengrößen, darunter auch Devil-May-Cry-Regisseur Hideaki Itsuno, der mittlerweile das japanische Schwesterstudio leitet, und Synchron- und Performance-Ikone Troy Baker. Trotz des prominenten Personals scheint das Kernprojekt in der Praxis offenbar nicht die erhoffte Qualität erreicht zu haben – ein Umstand, der laut Studio nun durch eine Neuausrichtung korrigiert werden soll. Betont wird gleichzeitig, dass Lightspeed LA als Studio bestehen bleibt und weiter an Spielen arbeitet.
In der Fachpresse wird die Meldung vor allem als weiteres Beispiel für die anhaltende Krisenstimmung in der Spielebranche eingeordnet, in der große, gut finanzierte Projekte trotz Startalent immer wieder ins Straucheln geraten. Berichte betonen zudem den Kontrast zwischen den einstigen Ankündigungen – 2023 sprach man noch von einem massiv ambitionierten Debüttitel mit "deeply developed experience" – und der nun notwendigen Kurskorrektur, die zeigt, wie schwer sich selbst gut ausgestattete Studios mit neuer, unbekannter IP tun. In der Community reichen die Reaktionen von Mitgefühl für die betroffenen Entwickler:innen bis zu Skepsis, ob ein Studio, das erst zwei Jahre nach der Ankündigung offenbar grundlegend neu anfängt, sein AAA-Versprechen überhaupt noch einlösen kann. Manche verweisen auch darauf, dass Tencent als Konzern durchaus bereit ist, Projekte lieber neu auszurichten als sie scheitern zu lassen – was zumindest Hoffnung macht, dass Last Sentinel nicht komplett eingestellt wird.
Aus unserer Sicht ist das ein Paradebeispiel dafür, wie riskant große, komplett neue IPs im aktuellen Markt geworden sind – selbst mit Rockstar-Pedigree im Führungsteam. Dass man sich traut, nach zwei Jahren Entwicklung nochmal an der kreativen Grundausrichtung zu drehen, kann man als mutig oder als Alarmsignal lesen; für die 80 betroffenen Mitarbeitenden ist es in jedem Fall bitterer Ernst. Wir hoffen, dass am Ende ein besseres Spiel steht – aber die Häufung solcher Neuausrichtungen in der Branche macht uns zunehmend skeptisch gegenüber vollmundigen Ankündigungen bei den Game Awards.
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