Nach Swatting-Albtraum: Gelähmter Rust-Spieler verklagt Polizei auf 176 Millionen Dollar
Was als ganz normale Runde Rust begann, endete für den 24-jährigen Axeel Melendez aus Tucson, Arizona, in einer Tragödie, die sein Leben für immer verändert hat. Ein Mitspieler bat ihn im April, seinen Computer zur Kontrolle freizugeben, um angebliche Cheat-Vorwürfe auszuräumen. Melendez willigte ein – ein fataler Fehler, denn kurz darauf bemerkte er, dass fremde Personen Zugriff auf mehrere seiner Accounts erhielten.
Die Hacker sicherten sich Zugang zu seiner E-Mail und persönlichen Daten und forderten anschließend Geld. Als Druckmittel drohten sie, einen falschen Bombenanschlag zu melden und die Einwanderungsbehörde über seine Familie zu informieren, obwohl diese US-Staatsbürger sind. Aus Sorge rief Melendez selbst bei der Polizei an, um vor einem möglichen Swatting-Angriff zu warnen. Ein Disponent versicherte ihm laut veröffentlichten Audioaufnahmen, dass Anrufer nicht einfach ein SWAT-Team schicken könnten und nichts passieren werde. Sogar ein Beamter besuchte sein Haus, um ihn zu beruhigen und mitzuteilen, dass die Streifen über mögliche Falschmeldungen informiert seien.
Keine 48 Stunden später war es dann doch so weit: Jemand gab sich als Melendez aus und meldete, sein Vater habe seine Schwester angeschossen. <cite index="18-9">Der Anruf enthielt widersprüchliche Details und wurde über die Tucson-Nichtnotrufnummer 311 abgesetzt.</cite> <cite index="18-10">Ein Deputy warnte sogar über Funk, dass es sich um einen Swatting-Versuch handeln könnte</cite> – trotzdem rückten die Einsatzkräfte mit gezogenen Waffen an, versuchten die Türen und schlugen schließlich mit einer Schaufel Melendez' Schlafzimmerfenster ein. In der Annahme, Einbrecher würden ins Haus eindringen, griff er zur legal registrierten Waffe seiner Mutter. Als die Beamten ihn damit sahen, eröffneten sie das Feuer: Acht Schüsse fielen, zwei trafen Melendez und zerschmetterten sein Bein, brachen Rippen und verletzten sein Rückenmark schwer. Seither ist er vom Brustkorb abwärts gelähmt.
Melendez und seine Mutter haben nun eine sogenannte Notice of Claim eingereicht – in Arizona der zwingende erste Schritt, bevor eine Klage gegen eine öffentliche Behörde möglich ist – und fordern 176 Millionen Dollar von Pima County und dem zuständigen Sheriff's Department. Anwalt Dev Sethi betont, sein Mandant habe alles richtig gemacht, indem er die Drohungen im Voraus meldete. Der Vorwurf: Die Einsatzkräfte hätten fahrlässig und rücksichtslos gehandelt, weil sie den fingierten Notruf nicht mit der vorherigen Warnung in Verbindung brachten. Das Sheriff's Department wollte sich wegen des laufenden Verfahrens bislang nicht äußern.
In der Gaming-Community sorgt der Fall für massive Empörung. Auf Social Media wird immer wieder gefordert, Swatting endlich rechtlich als versuchten Mord zu behandeln, statt es als bloßen Streich abzutun. Fachmedien ordnen den Vorfall in eine ganze Serie ähnlicher Fälle ein: Erst kürzlich wurde eine 81-jährige Minecraft-Streamerin mitten in einer Übertragung Ziel eines Swatting-Angriffs, und auch die Großeltern eines Twitch-Streamers gerieten versehentlich ins Fadenkreuz eines Hoax-Anrufers. Besonders bitter macht den aktuellen Fall, dass Melendez alles unternommen hat, was Experten Betroffenen eigentlich raten – und die Behörden ihn trotzdem im Stich ließen.
Für uns ist dieser Fall ein Weckruf: Wenn selbst eine ausdrückliche Vorwarnung an die Polizei nicht verhindert, dass ein Unschuldiger in seinem eigenen Schlafzimmer angeschossen wird, läuft im System etwas grundlegend falsch. Swatting wird viel zu oft als dummer Internet-Streich verharmlost, obwohl es faktisch bewaffnete Übergriffe provoziert – höchste Zeit, dass Gesetzgeber und Polizeibehörden das endlich mit der gebotenen Härte behandeln. Gleichzeitig zeigt der Fall einmal mehr, wie verwundbar Spieler in Online-Communities sind, wenn schon eine simple Cheat-Kontrolle als Einstiegstür für Hacker und Erpresser dienen kann.
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