Ex-Assassin's-Creed-Regisseur vergleicht AAA-Entwicklung mit brennenden Fässern aus Donkey Kong
Wer schon mal Donkey Kong gespielt hat, kennt das Gefühl: Von oben prasseln unaufhörlich brennende Fässer herab, und man kann nur hoffen, im richtigen Moment am richtigen Ort zu stehen. Genau dieses Bild wählt Clint Hocking, um zu beschreiben, wie sich die Leitung eines tausendköpfigen Entwicklerteams bei Ubisoft angefühlt hat. In einem aktuellen Interview beschrieb er das Gefühl der modernen AAA-Entwicklung als vergleichbar mit „the flaming barrels that Donkey Kong throws at you“ – ein ständiger Strom brennender Fässer, der auf einer Baustelle herabfällt.
Hocking ist kein Unbekannter: Er machte sich mit Splinter Cell: Chaos Theory einen Namen, prägte mit Far Cry 2 das offene Gameplay der Reihe und führte später Watch Dogs: Legion. Zuletzt war er kreativer Kopf hinter dem mysteriösen Assassin's-Creed-Projekt Hexe, bevor er im Februar 2026 überraschend Ubisoft verließ – mitten in der Entwicklung und nur wenige Tage, nachdem der Konzern ein komplett neues Führungsteam für die Assassin's-Creed-Marke installiert hatte. Sein damaliger Posten ging an Jean Guesdon, den Schöpfer von Black Flag und Origins. Wenig später gründete Hocking mit Build Machine Games sein eigenes, bewusst kleines Studio in Montreal.
In der Branche sorgt Hockings Offenheit für Gesprächsstoff. Mehrere Fachmedien greifen seine Aussagen auf und betonen, dass er die fehlende Nähe zwischen kreativer Führung und einzelnen Entwickler:innen in Großprojekten wie Watch Dogs: Legion als eines der größten Probleme moderner AAA-Produktionen benennt – oft habe nicht einmal die Belegschaft die Chance, den Creative Director überhaupt persönlich zu treffen. In einem separaten Podcast-Auftritt verglich Hocking das Management solcher Riesenteams sogar mit dem sprichwörtlichen „Gegen-den-Strom-Schwimmen“, weil Informationen durch endlose Meeting-Ketten verwässert würden. Gleichzeitig hebt er hervor, dass trotz aller Reibung kreative Höhepunkte wie das „Play As Anyone“-System von Watch Dogs: Legion nur durch den Einsatz vieler engagierter Leute möglich wurden – die Community reagiert entsprechend gespalten zwischen Verständnis für die Kritik an aufgeblähten Strukturen und Respekt vor den technischen Leistungen solcher Großprojekte.
Wir finden Hockings Bild vom brennenden Fass verdammt treffend – wer selbst mal in großen Redaktions- oder Entwicklerteams gearbeitet hat, kennt dieses Gefühl der ständigen Reaktion statt echter Gestaltung. Dass ausgerechnet einer der kreativsten Köpfe der letzten zwei Jahrzehnte lieber ein Zwei-bis-Zehn-Personen-Studio gründet, statt weiter Tausenderteams zu koordinieren, sagt viel über den Zustand der AAA-Industrie aus. Für Spieler:innen könnte das langfristig sogar gut sein: kleinere, fokussiertere Teams liefern oft die persönlicheren, mutigeren Spiele – genau das, was Build Machine Games nun offenbar anstrebt.
💬 Was denkst du dazu?
Lass uns gerne wissen, was du zu dieser Meldung meinst — sei dabei fair und respektvoll.