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Industrie

Stalker 2 war schon profitabel, bevor auch nur eine Kopie verkauft wurde – dank Microsoft

Hype-Meter
62%
22. July 2026 · IGN Articles ·

Manchmal lohnt sich ein Deal schon, bevor überhaupt ein Spieler die erste Kugel abfeuert. Genau das behauptet nun GSC-Game-World-Gründer Sergiy Grygorovych in einem Interview mit dem ukrainischen YouTuber OLDBoi: Microsoft habe für die einjährige Xbox-Exklusivität von Stalker 2: Heart of Chornobyl so viel Geld auf den Tisch gelegt, dass allein diese Summe die kompletten Entwicklungskosten überstieg. Details zur genauen Höhe darf er wegen einer Verschwiegenheitsklausel nicht nennen, aber die Botschaft ist eindeutig: Das Spiel war finanziell ein Erfolg, noch bevor es am 20. November 2024 überhaupt in die Läden kam.

Wie kam es dazu? Laut Grygorovych hat Microsoft vor allem deshalb zugeschlagen, weil der Trailer zu Stalker 2 auf YouTube dermaßen eingeschlagen ist – manche älteren Clips kommen auf mehrere Millionen Aufrufe. In der ausgebrochenen Rivalität zwischen Xbox und PlayStation um Aufmerksamkeit und Game-Pass-Abonnenten sei GSC quasi der Gewinner gewesen: Man habe die Verträge binnen einer Woche unterschriftsreif bekommen. Der Deal umfasste neben der zwölfmonatigen Konsolen-Exklusivität auch einen Day-One-Launch im Xbox Game Pass. Erst am 20. November 2025 – exakt ein Jahr später – erschien das Spiel dann auch für die PS5, inklusive DualSense-Feature-Support und PS5-Pro-Verbesserungen. In der Zwischenzeit hatte Stalker 2 trotz eines für die Xbox-Konsolen eher ungewöhnlichen Franchise-Images schon über drei Millionen verkaufte Exemplare und mehr als sechs Millionen Spieler weltweit erreicht.

In der Fachpresse und Community wird der Deal höchst unterschiedlich bewertet. Viele feiern es als cleveren Schachzug von GSC, das während der Entwicklung mit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine zu kämpfen hatte und laut mehreren Berichten dringend finanzielle Sicherheit brauchte – ein Nutzer im Forum ResetEra brachte es so auf den Punkt, dass kaum ein anderes Studio sich einen solchen Bonus mehr verdient habe als GSC. Andere Stimmen sehen die Sache kritischer und ziehen Vergleiche zu früheren Microsoft-Wetten wie den kolportierten 100 Millionen Dollar für die Rise-of-the-Tomb-Raider-Exklusivität oder den 250 Millionen Dollar, die Xbox laut internen Unterlagen für Suicide Squad: Kill the Justice League ausgeben wollte – ein Spiel, das als Live-Service-Flop keine zwölf Monate überlebte. Verschärft wird die Debatte durch aktuelle Berichte, wonach viele Xbox-Studioleiter den Game Pass inzwischen offen ablehnen, weil er aus ihrer Sicht den Wert der eigenen Spiele zerstört. Für zusätzliche Würze sorgt zudem, dass Grygorovych selbst inzwischen nicht mehr Teil von GSC ist: Der heutige Mehrheitseigner Maksym Krippa übernahm die Firma 2023, und Grygorovych hat öffentlich angekündigt, gegen ihn wegen ausstehender Zahlungen aus dem Stalker-2-Erfolg klagen zu wollen.

🗣️ Einschätzung der Redaktion

Für uns ist das die perfekte Blaupause dafür, wie absurd das alte Xbox-Playbook unter Phil Spencer teilweise funktionierte: Man kauft sich Aufmerksamkeit um jeden Preis, auch wenn das Ergebnis am Ende ein technisch ruppiger, aber atmosphärisch grandioser PC-Shooter ist, der eigentlich nie ein Konsolen-Publikum brauchte. Dass GSC davon finanziell enorm profitierte, gönnen wir dem von Krieg und Krisen gebeutelten Studio von Herzen – aber die Ironie, dass ausgerechnet der Mann, der den Deal einfädelte, inzwischen selbst um seinen Anteil am Erfolg kämpfen muss, zeigt, dass hinter den großen Zahlen oft ziemlich menschliche Dramen stecken.

Zur Originalquelle (IGN Articles) →

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