5-Euro-Traum geplatzt: Thick as Thieves bekommt keine neuen Inhalte mehr
Es sollte die große Rückkehr des Genres werden, das Warren Spector und Paul Neurath einst selbst miterfunden haben: Mit Thick as Thieves brachte ihr Studio OtherSide Entertainment im Mai einen waschechten Stealth-Heist-Titel für schlappe 5 Dollar an den Start – ein bewusst schmales Einstiegspaket, das laut Ankündigung nach und nach mit neuen Inhalten wachsen sollte. Jetzt kommt das böse Erwachen: Game Director Jeff Hickman musste den Fans mitteilen, dass es keine weiteren Content-Updates mehr geben wird.
Der Grund ist bitter, aber wenig überraschend, wenn man die Vorgeschichte kennt. Erst wurde ein zweites, bislang unangekündigtes Projekt mit dem Codenamen Argos gecancelt, was 17 Entlassungen nach sich zog. <cite index="3-4">Denn das andere Spiel, an dem OtherSide arbeitete, wurde gecancelt, und jetzt gab es zwei Runden von Entlassungen, sodass weniger als 10 Angestellte übrig bleiben.</cite> Nur wenige Wochen später folgte eine zweite Kündigungswelle mit 18 weiteren Betroffenen. Hickman erklärte den verbliebenen Spieler:innen unumwunden: <cite index="3-7">"Um ehrlich zu sein, ist das nicht das Ergebnis, das sich irgendjemand von uns wünscht, aber wir stehen vor der Realität, dass die weitere Entwicklung von zusätzlichen Inhalten, Modi und Systemen kein tragfähiger Weg ist."</cite> Immerhin: Ganz tot ist Thick as Thieves nicht. <cite index="3-9">OtherSide und Publisher Megabit arbeiten gemeinsam daran, dass Thick as Thieves spielbar bleibt.</cite> Konkret <cite index="48-6,48-7">wird an einer neuen Version des Spiels gearbeitet, die für den Koop-Modus auf Peer-to-Peer-Server statt teurer Cloud-Server setzt, wobei Gameplay und Ablauf praktisch identisch bleiben sollen</cite>. <cite index="48-8,48-9">So können Spieler:innen weiterhin mit Freunden zocken, Solo-Spiel bleibt komplett unberührt, und sobald die Umstellung fertig ist, übernimmt Megabit die Pflege des Spiels und kümmert sich um Bugs und andere Probleme.</cite> Für die geplanten Konsolenversionen auf PS5 und Xbox Series X|S gibt es dagegen weiterhin keine offizielle Zukunftsperspektive.
Die Reaktionen in der Community schwanken zwischen Wehmut und resigniertem Verständnis. Auf Steam sammeln sich seit der Ankündigung Kommentare wie unter einem kürzlich veröffentlichten Koop-Video, wo ein Spieler schrieb, das Spiel sei <cite index="1-1,1-2,1-3,1-4">"freaking awesome", ein "Co-op dishonored lite mit Stealth-Fokus", mit "criminally low price of entry" und der Hoffnung, dass das Team es weiter unterstützt</cite> – gefolgt von einem knappen, traurigen Kommentar zum Update-Stopp. Auch die Fachpresse hatte von Anfang an gemischte Gefühle: Kritiker:innen lobten immer wieder den soliden Kern des Spiels, etwa dass <cite index="8-9,8-10">Thick as Thieves zwar an seiner kargen Kampagne und fragwürdigen Startinhalten leidet, aber durch unglaublich gutes Stealth-Gameplay und den niedrigen Preis von fünf Dollar getragen wird</cite>, während andere Stimmen den Umfang massiv kritisierten. Bezeichnend ist auch die Einschätzung der PC-Gamer-Redaktion selbst, die anmerkt, dass <cite index="53-1,53-2">Immersive Sims es im modernen Spielemarkt grundsätzlich schwer haben, weil sie laut Nightdive-CEO Stephen Kick meist nur eine "sehr kleine, nischige Gruppe" ansprechen und sich dadurch selten zu großen Verkaufsschlagern entwickeln</cite>.
So schmerzhaft es ist: Diese Geschichte fühlt sich wie ein Sinnbild für die aktuelle Branchenlage an, in der selbst Genre-Legenden wie Spector und Neurath mit einer klugen 5-Euro-Idee scheitern können, sobald das große Geld ausbleibt. Wir finden es fair, dass wenigstens ein spielbarer Zustand über Megabit gesichert werden soll, statt das Spiel einfach sterben zu lassen – aber es bleibt ein weiteres trauriges Beispiel dafür, wie wenig selbst gute Kritiken und eine loyale, wenn auch kleine Fanbasis heute noch schützen. Für Fans von Stealth-Klassikern à la Thief bleibt am Ende vor allem die bittere Erkenntnis, dass Nische in dieser Branche fast automatisch Risiko bedeutet.
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