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Industrie

Bücher-Schredder für KI: Firma löscht Angebot und tut so, als hätte es das nie gegeben

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03. August 2026 · PCGamer latest ·

Es ist eine Geschichte, die klingt wie aus einem dystopischen Roman: KI-Firmen kaufen alte Bücher im großen Stil auf, schneiden ihnen die Buchrücken ab, scannen die losen Seiten mit Hochgeschwindigkeitsmaschinen ein und werfen das, was übrig bleibt, weg. Genau das deckte das Investigativ-Portal 404 Media auf, als es die Firma ISBNdb ins Visier nahm. Auf deren Website prangte lange Zeit ein Angebot, das sich explizit an KI-Unternehmen richtete: Man könne bis zu eine Million Bücher aus Antiquariaten, Bibliotheken und Nachlassauflösungen beschaffen, <cite index="1-4">tailored to your LLM training needs, delivered at the scale AI demands</cite>. Nach dem öffentlichen Aufschrei ist diese Seite jetzt spurlos verschwunden.

Der Hintergrund dieser fragwürdigen Praxis ist knallhart wirtschaftlich: Bücher aus der Zeit vor 2022 gelten als besonders wertvoll für KI-Training, weil sie garantiert nicht von generischem KI-Text verunreinigt sind, der mittlerweile das halbe Internet zuschüttet. Bekannt wurde das Prinzip erstmals durch Anthropics internes Projekt mit dem Codenamen Project Panama, bei dem der Konzern in großem Stil Bücher digitalisierte und anschließend vernichtete – eine Praxis, die zwar von einem US-Gericht als vom Fair-Use-Prinzip gedeckt eingestuft wurde, aber gleichzeitig zu einem 1,5-Milliarden-Dollar-Vergleich mit Autor:innen führte, weil zuvor massenhaft raubkopierte Bücher zum Training verwendet worden waren. Genau deshalb war den beteiligten Firmen die Öffentlichkeit so unangenehm: ISBNdb selbst schrieb einst unumwunden, dass <cite index="3-6,3-7">die Optik ein echtes Problem sei, denn eine Schlagzeile über eine KI-Firma, die zwei Millionen Bücher zerstört, wecke kein Mitgefühl</cite>.

Nachdem der Druck durch die Berichterstattung wuchs, ging es für ISBNdb Schlag auf Schlag: Erst verschwanden die entsprechenden Unterseiten von der Website, dann folgte eine offizielle Klarstellung. Auf der Startseite behauptet die Firma inzwischen unmissverständlich, sie habe niemals ein Buch gekauft, gescannt oder verkauft – weder für KI-Training noch für irgendetwas anderes, und die Landingpage sei lediglich ein Test gewesen, um Marktinteresse auszuloten, wie ISBNdb es selbst formulierte: <cite index="19-1,19-2,19-3,19-4">We don't train AI models, and we never have. The page was a test of market interest; no such service was ever brought to life. We've taken the page down. Our job is helping people find books.</cite> Die Fachpresse reagiert allerdings skeptisch: Tech Times etwa merkt an, dass die inzwischen gelöschten Seiten <cite index="17-9">ein Detailniveau enthielten, das weit über eine beiläufige Marktanalyse hinausgeht</cite> – inklusive gestaffelter Bestellmengen, Geheimhaltungsvereinbarungen und einer eigenen rechtlichen Einschätzung zur aktuellen Urheberrechtslage. Auch unabhängig von ISBNdbs Dementi bleibt das eigentliche Problem bestehen: Antiquariate in den Niederlanden, Deutschland, der Schweiz und Spanien berichten weiterhin von völlig untypischen Großbestellungen obskurer Fachbücher, die nicht zum normalen Kund:innenverhalten passen. Ein niederländischer Buchhändler hielt eine Anfrage über fast 3.000 Titel zunächst schlicht für Spam.

Ob ISBNdb tatsächlich nur eine Testseite betrieben hat oder ob hier nachträglich Spuren verwischt werden sollen, lässt sich von außen kaum beweisen – die archivierte Version der Seite via Wayback Machine spricht aber eine andere Sprache als das aktuelle Dementi. Klar ist: Rechtlich hat sich durch die ganze Aufregung nichts geändert, denn US-Gerichte haben das Scannen und anschließende Vernichten rechtmäßig erworbener Bücher bereits mehrfach als Fair Use eingestuft. Die eigentliche Geschichte ist also nicht vorbei, sie hat nur ihr Gesicht verloren.

🗣️ Einschätzung der Redaktion

Für uns riecht dieses hastige Herunterspielen einer eigenen Werbeseite ziemlich nach Schadensbegrenzung statt nach ehrlicher Aufklärung – wer monatelang detaillierte Preisstaffeln und NDA-Angebote online stehen hat, hat mehr getan als einen Testballon zu starten. Viel wichtiger als die PR-Peinlichkeit einer einzelnen Datenbank-Firma ist aber, dass die eigentliche Praxis völlig legal bleibt: Bücher kaufen, zerschneiden, scannen, wegwerfen. Bis Gesetzgeber oder Gerichte hier nachschärfen, wird sich am großen Bücher-Recycling für KI-Trainingsdaten kaum etwas ändern, egal wie viele Landingpages verschwinden.

Zur Originalquelle (PCGamer latest) →

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