Rot-Haariges Stiefkind: Warum Rockstar die Reihe Midnight Club für GTA fallen ließ
Es klingt fast wie eine kleine Familientragödie im Hause Rockstar Games: Eine Reihe, die einst Straßenrennen-Fans weltweit begeisterte, wurde offenbar nicht wegen schlechter Verkaufszahlen beerdigt, sondern wegen interner Machtspiele. Ex-Senior-Designer Kris Roberts, der bei Rockstar San Diego an mehreren Midnight-Club-Teilen sowie am Multiplayer von Red Dead Redemption mitgearbeitet hat, erklärte gegenüber Kiwi Talkz auf Insider Gaming, dass tatsächlich schon an einem fünften Teil gearbeitet wurde. Nach seinem Weggang habe das Team munter weitergemacht und sogar eine Karte für London als Prototyp-Stadt entwickelt.
Der Haken: Das Projekt kam nie über frühe Entwicklungsstadien hinaus. Der Hauptgrund dafür soll laut Roberts ein handfester Konflikt zwischen Rockstar New York, dem einflussreichen Hauptquartier des Studios, und dem verantwortlichen Team in San Diego gewesen sein. Ein Teil davon sei nachvollziehbar gewesen, schließlich habe man während der Entwicklung von Midnight Club: Los Angeles mehrfach Deadlines gerissen. Doch ebenso entscheidend sei die Frage der kreativen Kontrolle gewesen. New York habe die Serie schlicht als Nebenschauplatz betrachtet, mit der lapidaren Haltung, man sei halt nicht GTA. Roberts beschreibt das Gefühl im Team als das eines <cite index="23-5">rot-haarigen Stiefkind-Projekts, bei dem man zwar Weltklasse-Arbeit leistete, aber trotzdem als weniger wichtig behandelt wurde</cite>. Als die Reihe schließlich gestrichen wurde, sei intern klar gewesen, dass fortan alles auf GTA ausgerichtet werde.
Ganz neu ist der Verdacht nicht: Schon der GTA-5-Quellcode-Leak von Ende 2023 hatte Hinweise auf ein internes MC5-Kürzel zutage gefördert, was Spekulationen über ein nie realisiertes fünftes Spiel befeuerte. Auch Fachmedien wie Insider Gaming und Notebookcheck ordnen die Aussagen von Roberts als Bestätigung dieser Gerüchte ein und betonen, wie sehr Midnight Club trotz respektabler Verkaufszahlen im Schatten der GTA-Milliardenmaschine stand. In der Community sorgt die Enthüllung für gemischte, aber mehrheitlich wehmütige Reaktionen: Viele Fans fordern seit Jahren ein Comeback oder zumindest ein Remaster der Serie, ähnlich wie es zuletzt auch bei anderen eingemotteten Rockstar-Marken wie Manhunt diskutiert wurde. Manche Stimmen auf Social Media kritisieren zudem offen, dass ein interner Machtkampf ein beliebtes Franchise zum Kollateralschaden gemacht haben soll, statt es an seinen eigenen Verdiensten zu messen.
Für uns ist das eine dieser Geschichten, die zeigen, wie gnadenlos Studiopolitik selbst erfolgreiche Marken zermalmen kann. Midnight Club war seiner Zeit mit offener Spielwelt und Fahrzeug-Customization tatsächlich weit voraus, wurde aber offenbar nie als das ernst genommen, was es war: ein eigenständiges Juwel neben GTA. Solange Rockstar aber mit GTA 6 alle Kapazitäten bindet, bleibt eine Rückkehr der Reihe wohl nur ein feuchter Traum der Fan-Community.
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