Red Dead Redemption 2 knackt 87 Millionen verkaufte Exemplare – trotz Rockstars Funkstille
Rockstar Games hätte sich wohl kaum ein besseres Alterswerk wünschen können: Laut den aktuellen Quartalszahlen von Take-Two Interactive hat Red Dead Redemption 2 mittlerweile die Marke von über 87 Millionen verkauften Exemplaren geknackt. Zum Vergleich: Im Mai lag der Wert noch bei 85 Millionen. Damit bleibt der Wildwest-Blockbuster von 2018 weiterhin das dritterfolgreichste Videospiel aller Zeiten, hinter GTA V und Minecraft, und hat mittlerweile Nintendos Wii Sports endgültig hinter sich gelassen.
Ganz ohne Bremsspuren geht es aber nicht mehr: Zwischen Mai und Juli wurden rund 2 Millionen Einheiten verkauft. Das liegt spürbar unter dem Durchschnitt der vergangenen Jahre, in denen das Spiel meist rund 3 Millionen Exemplare pro Quartal absetzte. Die Zahlen wurden im Rahmen von Take-Twos Q1-Bericht für das Geschäftsjahr 2027 veröffentlicht, jenem Call, bei dem der Publisher nach der jüngst abgeschlossenen EA-Übernahme offiziell zum größten börsennotierten Videospielunternehmen der Welt aufgestiegen ist. Auch GTA V legte weiter zu und steht inzwischen bei 230 Millionen verkauften Kopien, während die gesamte Red-Dead-Reihe die Schwelle von 117 Millionen Einheiten überschritten hat.
Bemerkenswert ist vor allem, wie Red Dead Redemption 2 diese Zahlen erreicht – praktisch ganz ohne Zutun von Rockstar selbst. Andere Fachmedien wie RDR2.org weisen darauf hin, dass das Spiel bis heute keine richtige Next-Gen-Fassung erhalten hat: Auf der PS5 läuft weiterhin nur die Kompatibilitätsversion für PS4, eine Story-Erweiterung gab es nie, und Red Dead Online wurde faktisch eingestellt, während GTA Online parallel Jahr für Jahr neue Inhalte bekommt. In der Community sorgt genau das seit Jahren für Frust: Unter Hashtags wie SaveRedDeadOnline beklagten sich Spieler:innen immer wieder darüber, dass Rockstar sein zweites Zugpferd offenbar bewusst verhungern lässt, um alle Ressourcen auf GTA Online und inzwischen vor allem auf GTA 6 zu konzentrieren, das am 19. November 2026 erscheinen soll.
Für uns ist das die Definition von verschenktem Potenzial: Ein Spiel, das rein aus Mundpropaganda fast 90 Millionen Mal über die Ladentheke geht, würde bei jedem anderen Studio sofort ein Next-Gen-Update, DLC und ein liebevoll gepflegtes Online-Modus bekommen. Dass Rockstar RDR2 stattdessen seit Jahren links liegen lässt und komplett auf GTA setzt, zeigt, wie sehr Geschäftslogik über Fanliebe siegt. Die 87 Millionen sind ein verdientes Denkmal für ein Meisterwerk – aber auch ein bitterer Beweis dafür, wie wenig Rockstar davon zurückgeben muss, um trotzdem zu kassieren.
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